Im allgemeinen Sprachgebrauch scheint es keine Zweifel darüber
zu geben, was unter Sicherheit zu verstehen ist. Versucht man jedoch
(aus der Erkenntnis heraus, dass es zwischen "komplett unsicher" und "absolut
sicher" noch etwas mehr geben muss), Sicherheit zu quantifizieren, stößt
man auf große "Unsicherheit". MEYERS GROSSES LEXIKON von 1980 definiert
Sicherheit so: "Zustand des Unbedrohtseins, der sich objektiv im Vorhandensein
von Schutz[einrichtungen] bzw. im Fehlen von Gefahr[enquellen] darstellt
und subjektiv als Gewissheit von Individuen oder sozialen Gebilden über
die Zuverlässigkeit von Sicherungs- und Schutzeinrichtungen
empfunden wird." Es bietet sich an, Sicherheit als Abwesenheit
("Komplement") von Risiko zu definieren, wobei wir folgende Risikodefinition
übernehmen: "Das Risiko einer Anlage oder Tätigkeit ist die
Summe über alle (gefährlichen) Ereignisse der Produkte von Eintrittswahrscheinlichkeit
und Schadensausmaß und eventuell (subjektiven) Gewichtungsfaktoren".
(Olaf
H. Peters, Arno Meyna; Handbuch der Sicherheitstechnik - Carl Hanser Verlag
München Wien). In der Informationstechnik spricht man an Stelle von
gefährlichen Ereignissen auch von "erfolgreichen Angriffen".
Das Schadensausmaß ist ebenso wie das Risiko eine Zahl zwischen 0
und 1 (= 100%). Sicherheit lässt sich somit definieren als
| S |
und hat damit ebenso wie das Risiko alle Eigenschaften einer mathematischen Wahrscheinlichkeit. Wahrscheinlichkeiten können bekanntlich Werte zwischen 0 und 1 (= 100%) annehmen. Risiko und Sicherheit sollte man dann noch auf eine Zeiteinheit beziehen, denn es ist nicht schwer zu erkennen, dass die Eintrittswahrscheinlichkeiten in der Regel mit wachsender Zeitspanne dem Wert 1 zustreben.
Schaut man sich obige Definitionen genauer an, lässt sich folgendes ableiten:
Wichtig erscheint noch, dass in der Risikodefinition jedem erfolgreichen Angriff eine Eintrittswahrscheinlichkeit zugeordnet ist. Diese Eintrittswahrscheinlichkeit hängt davon ab, wie lohnend und wie aufwändig dieser Angriff ist. Der Lohn kann der Wert des zu schützenden Guts sein oder so etwas subjektives wie "Ehre". Auch Bestrafung zählt als persönliches Risiko für den Angreifer eine nicht unwichtige Rolle. Der Aufwand ist in der Regel durch Zeit und Kosten eines Angriffs definiert. Ist eine Angriffsart in der Durchführung teurer als die "Beute", wird der Angreifer (wenn er es weiß) in der Regel eine erfolgversprechendere Angriffsart wählen, gemäß dem Motto: "Eine Kette ist so stark wie das schwächste Glied".
Halten wir fest: Ein Authentifikationsverfahren allein (egal ob biometrisch oder nicht) kann nicht durch die Eigenschaften sicher oder unsicher beschrieben werden. Sicherheit ist immer eine Eigenschaft des Gesamtszenarios.