Biometrische Authentifikation ermöglicht Fachanwaltsfortbildung am PCAnwendungsbericht
Manfred Bromba · Bromba GmbH |
Einführung"Wer eine Fachanwaltsbezeichnung führt, muss jährlich auf diesem Gebiet wissenschaftlich publizieren oder mindestens an einer anwaltlichen Fortbildungsveranstaltung dozierend oder hörend teilnehmen. Die Gesamtdauer der Fortbildung darf zehn Zeitstunden nicht unterschreiten. Dies ist der Rechtsanwaltskammer unaufgefordert nachzuweisen." (§ 15 der Fachanwaltsordnung: Fortbildung)Der regelmäßige Besuch geeigneter Fortbildungsveranstaltungen kann auf Grund der damit verbundenen Reisetätigkeit zu erheblichen Zeitverlusten führen. Weiterhin ist der Fachanwalt bei der Teilnahme an organisierten Veranstaltungen an einen festen Zeitplan gebunden, der sich nicht immer mit der geforderten beruflichen Flexibilität vereinbaren lässt. Für den alternativen Weg, solche Kurse als Video-CD/DVD oder als Internetkurs anzubieten, gab es bisher keinen gangbaren Weg, wenn man auch der von Präsenzveranstaltungen bekannten Nachweis- und Anwesenheitspflicht Genüge leisten wollte. Und genau hier bietet sich die biometrische Authentifikation als Lösung an und ermöglicht dem Fachanwalt, sich das erforderliche Neuwissen zu jeder beliebigen Zeit, an jedem beliebigen Ort und beliebig oft auch mit Unterbrechungen anzueignen. Dieser Bericht beschreibt die Realisierung und Arbeitsweise zweier biometrischer Verfahren, die die persönliche Beteiligung eines Anwalts am Fernkurs besonders bequem nachweist. Die Realisierung erfolgte auf Basis des BioIDENTICA® Device SDKs der Firma Bromba GmbH und benutzt zur Fingerabdruckaufnahme die FingerTIP ID Mouse von Cherry. Die ersten Anwaltskammern haben bereits ihre Zustimmung zum Einsatz biometrischer Lösungen als Ersatz zur Teilnahme an einer Präsenzveranstaltung signalisiert. Lösungsansatz mit Hilfe einer DVDFunktionsprinzipUm einen Fachanwalts-Lehrgang zu Hause oder auf Reisen absolvieren zu können, braucht man nicht nur eine Lehrgangs-DVD zum Abspielen auf einem PC - es muss auch die zuständige Anwaltskammer davon überzeugt werden, dass der Kurs vollständig absolviert wurde, damit eine ordnungsgemäße Anerkennung erfolgen kann. Um dies zu erreichen, wird beim hier vorgestellten Verfahren der gesamte Kurs in Video- bzw. Tonabschnitte relativ kurzer Länge (einige Minuten) unterteilt und abgespielt. Sobald ein Abschnitt abgelaufen ist, muss der Teilnehmer innerhalb eines kurzen Zeitfensters eine biometrische Authentifikation durchführen. Verpasst er das, ist der Abschnitt zu wiederholen, sonst erfolgt keine Anerkennung. Ob ein Abschnitt beendet ist, lässt sich für den Teilnehmer nur daran erkennen, dass nichts mehr zu hören ist. Somit ist die Forderung "hörend an der Fortbildungsveranstaltung teilzunehmen" nicht zu umgehen!Bei der hier vorgestellten Lösung wird das Nachweisproblem mit Hilfe von biometrischen Testaten gelöst, und zwar auf folgende Weise:
RealisierungZur Erprobung des Funktionsprinzips wurde eine Prototypen-DVD mit kompletter Software und dem Lehrgangsinhalt "Arbeitsrecht" in Form von Videos und Begleitmaterial (Folien und Schriftdokumente) erstellt und von mehreren Fachanwälten einem Test unterzogen.Als Benutzeroberfläche für das Abspielen des Lehrgangs und die Information des Teilnehmers bot sich der Internetexplorer an. Mit Hilfe einer eigens entwickelten ActiveX-Komponente erfolgte die Integration des Windows Media-Players 6.4 sowie der Fingerprintkomponenten in eine lokale HTML-Seite, so dass der Benutzer wie gewohnt mit dem Internet Explorer arbeiten kann. Als Scriptsprache kam VBS zum Einsatz. Sämtliche Installationen (Sensortreiber, Fingerprintsoftware) wurden ebenfalls über den Internetexplorer abgewickelt. Zur Fingerprinterkennung kam das BioIDENTICA® Device SDK 2.0 zum Einsatz. Zur Vereinfachung der Programmierung wurden die dazugehörigen ActiveX-Komponenten genutzt, was eine Fertigstellung der kompletten Prototypen-Entwicklung innerhalb von 3 Wochen ermöglichte. Lösungsansatz mit Hilfe des InternetsFunktionsprinzipFür die Internetlösung wurde ein modifiziertes Funktionsprinzip entwickelt. Der Fachanwalt ruft bei diesem Verfahren die Internetadresse eines Online-Anbieters auf, meldet sich mit seinen Teilnehmerdaten an (natürlich kann dies auch biometrisch geschehen) und startet einen Vortrag als Video mit Ton. Hierzu reicht eine normale DSL-Verbindung. Während ein Vortrag bei der DVD-Lösung in kleine Teile aufgespalten wurde, läuft er hier kontinuierlich ab, kann bei Bedarf aber immer mal für eine kurze Zeit unterbrochen werden. Die Fingerabdruckabfrage erfolgt deshalb zu zufälligen Zeitpunkten ohne Unterbrechung des Vortrags. Erfolgt die Authentifikation rechtzeitig, gilt dies als Beweis einer aktiven Teilnahme. Der Online-Dienstleister sammelt die erfolgreichen Rückmeldungen und verfügt somit über alle Daten zur Ausstellung des Teilnahmenachweises.Beide Lösungsansätze haben unterschiedliche Vorteile. Während ein Onlineangebot einfacher aktuell zu halten ist, zählt bei der DVD-Lösung die Unabhängigkeit vom Internet und die Möglichkeit, sich seinen Kurs auch ins Regal stellen zu können. RealisierungBei der Internetlösung wurde versucht, mit marktgängigen Biometriekomponenten ohne eigens entwickelte Software für den Kursteilnehmer auszukommen. Als Biometriekomponente kommt hier wieder die FingerTIP ID Mouse von Cherry zusammen mit der standardmäßig mitgelieferten Software "PasswordCenter" zum Einsatz. Das PasswordCenter reagiert auf hochpoppende Passwortfenster und füllt diese automatisch bei erfolgreicher Erkennung des Fingerabdrucks mit den erforderlichen Daten, die zu Anfang ein einziges Mal vom Teilnehmer eingetragen wurden. Über diese Daten, bestehend aus User-ID und Passwort, kann der Online-Dienstleister per Vergleich die erforderliche Information über die Anwesenheit des Anwalt gewinnen. Der Hauptaufwand liegt bei diesem Verfahren nicht bei der Programmierung der DVD, sondern des Online-Angebots - nebst Bereitstellung der notwendigen Webserver.Ein internetbasiertes Testsystem wurde von der Firma Online-Congress (http://www.onlinecongress.de/) in Zusammenarbeit mit Advobildung (http://www.advobildung.de/) erstellt. SicherheitDurch die Fingerabdruckerkennung soll sichergestellt werden, dass der Kursteilnehmer dem Abspielen der Lehrgangs-DVD hörend persönlich beiwohnt. Deshalb stellt sich hier die Frage, wie leicht man das System "hintergehen" kann. Dabei interessiert nicht primär, wie leicht eine Umgehung ist, sondern ob der Anreiz zum "Schummeln" höher und aufwändiger ist als bei Präsenzveranstaltungen.Bei Präsenzveranstaltungen bestätigt der Teilnehmer seine Anwesenheit durch Unterschrift (also auch biometrisch, nur dass die Unterschrift selten geprüft wird). Die Unterschrift kann während der Veranstaltung auch mehrfach erhoben werden. Ob der Teilnehmer allerdings mit seinen Gedanken beim Thema ist oder irgend wo anders, wird nicht überprüft. Dabei ist andererseits wieder zu berücksichtigen, dass die Weiterbildungsveranstaltungen in der Regel ein so hohes Niveau aufweisen, dass es für den Teilnehmer einen entsprechend hohen Anreiz zur aktiven Teilnahme gibt. Das gilt inhaltlich erst recht für DVD- oder Online-Kurse, so dass der Anreiz zum Mogeln recht niedrig ausfällt. Trotzdem sollen hier die zwei wichtigsten Möglichkeiten zum Umgehen des Systems am Beispiel der DVD-Lösung diskutiert werden:
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