Symmetrische Digitalfilter in der physikalischen MesstechnikvonManfred U. A. BrombaFebruar 1978
Neu erfasste Version - kann Übertragungsfehler enthalten!InhaltEinführung1.1 Mathematische Darstellung und Charakterisierung physikalischer Messfolgen 2 Grundlagen digitaler Filter1.1.1 Mathematische Darstellung1.2 Absolutsummierbare Signale 2.1 Definition des Digitalfilters3 Optimale Digitalfilter für gaußähnliche Signale2.1.1 Vorbemerkungen2.2 Eigenschaften von Digitalfiltern 3.1 Optimale Digitalfilter (weißes Rauschen)4 Rekursivdarstellung digitaler Filter3.1.1 Definition3.2 Symmetrische Polynomfilter 4.1 Einführung5 Praktisch-numerische Ergebnisse4.1.1 Beschreibung4.2 Rekursivdarstellung mittels Fouriertransformation 5.1 Erläuterungen6 Anhang 6.1 GrampolynomeLiteratur EinführungAlle spektroskopischen Messungen enthalten einen mehr oder weniger großen Rauschanteil, der sich additiv der Signalkurve überlagert und bei der Auswertung zu Fehlern führt (z. B. wenn es um die Bestimmung der Lage des Maximums geht).Bisher war man darauf angewiesen, diesen Rauschanteil durch elektrische Filter zu vermindern. Diese Filter haben jedoch den Nachteil, dass sie das Maximum einer Spektrallinie verschieben. Abhilfe schafft eine Filterung auf digitalem Weg, z. B. unter Einsatz eines Rechners. Obwohl die Theorie der digitalen Filterung im Großen und Ganzen als abgeschlossen betrachtet werden kann, sind die Anschauungen darüber, welcher Art ein Digitalfilter sein muss, um verrauschte spektroskopische Signale optimal zu glätten, häufig doch recht verworren. Das mag zum Teil daran liegen, dass vielfach subjektive Vorstellungen über die Eigenschaft "optimal" bestehen; andererseits scheinen detaillierte praktisch-numerische Untersuchungen gänzlich zu fehlen. Aufgabe diese Arbeit ist es, etwas Licht in dieses Dunkel zu bringen. Dazu gehört auch eine Zusammenstellung theoretischer Grundlagen in moderner funktionalanalytischer Schreibweise, die sich, ähnlich wie in der Quantenmechanik, als recht hilfreich erweist. Das Hauptinteresse gilt den symmetrischen Polynomfiltern 2M-ten Grades. Sie verschieben auch bei "stärkster" Filterung nicht die Maxima symmetrischer spektroskopischer Linien und erhalten - beides im Gegensatz zu elektrische Filtern - alle bis (2M+1)ten Momente eine Signals exakt. Weiterhin wurden für diese Filter Rekursivdarstellungen gefunden, die den Rechenaufwand soweit verringern, dass der Einsatz eines Mikroprozessors auch bei relativ hohen Datenfolgefrequenzen möglich geworden ist. 1 Diskrete Messfolgen1.1 Mathematische darstellung und Charakterisierung physikalischer Messfolgen1.1.1 Mathematische DarstellungUnter einer Messfolge wird in dieser Arbeit die geordnete menge der durch Messung einer physikalische Größe gewonnenen Messwerte verstanden. Die Messfolge soll die funktionale Abhängigkeit der Messgröße (z.B. Lichtintensität, Absorption) von einer physikalischen Variablen (z.B. Zeit, Wellenlänge, Energie, Magnetfeld) repräsentieren. Werte und Variable einer Messfolge lassen sich prinzipiell jeweils in kontinuierlich und diskret (Änderung in abzählbaren Schritten gleicher Länge) einteilen.
Wir wollen ausschließlich mit Messfolgen kontinuierlich verteilter Messwerte arbeiten. Wenn wir also von "diskreter" oder "kontinuierlicher" Messfolge sprechen, so soll sich das stets auf die Variable beziehen. In diesem Sinne werden uns in der Regel diskrete Messfolgen beschäftigen. Ist eine solche Messfolge durch einen Sampling- bzw Abtastprozess aus einer kontinuierlichen Messfolge hervorgegangen, nennen wir sie auch "diskretisiert". Der Einfachheit halber nehmen wir an, jede diskrete Messfolge sei ohne Anfang und ohne Ende, sie enthalte also unendlich viele Messwerte, die wir dann mit Hilfe aller ganzen Zahlern (ℤ) von -∞ bis +∞ nummerieren. Aus der physikalischen Variablen (Zeit, Wellenlänge usw) wird damit eine mathematische. Die Zuordnung zwischen beiden soll monoton in möglichst einfacher Weise erfolgen, auf dass eine schnelle Umrechnung in beiden Richtungen jederzeit möglich ist. man stelle sich unter der mathematischen Variable im Falle einer digital gespeicherten Messfolge am Besten die Nummerierung des Speicherplatzes vor. Die Wahl des Nullpunkts ist in der Zuordnungsvorschrift willkürlich, wir passen sie deshalb den jeweiligen Bedürfnissen an. Dabei wird die Translationsinvarianz unserer Operationen eine wichtige Rolle spielen. Unsere Messfolge lässt sich als eine
Abbildung der ganzen Zahlen ℤ (Variable) in die reellen Zahlen ℝ (Messwerte,
einheitenfrei) darstellen. Geben wir der Messfolge das Symbol
f,
so heißt das mathematisch
1.1.2 Absolut- und quadratsummierbare FunktionenBesondere Beachtung finden in dieser Arbeit Funktionen, die absolutsummierbar sind. Das sind solche Funktionen
Entsprechend für die quadratsummierbaren
Funktionen:
Die absolutsummierbaren und die quadratsummierbaren
Funktionen bilden jeweils Untervektorräume von V:
Man kann zeigen, dass 1.1.3 Fastperiodische und beschränkte FunktionenFür alle fastperiodischen Funktionen gilt definitionsgemäß:
Zu den fastperiodischen Funktionen gehören
insbesondere alle beschränkten Funktionen, die wichtigsten periodischen
Funktionen, die konstante Funktion (die als Gleichanteil einer Messfolge
nicht quadratsummierbar ist) und trivialerweise auch die quadratsummierbaren
Funktionen. Wichtig ist diese Funktionengruppe deshalb, weil viele der
Störungen die sich den gemessenen Signalen additiv überlagern, in ihr
angesiedelt sind. Fastperiodische Funktionen sind aber im Gegensatz zu
allen realisierbaren Messfolgen nicht immer beschränkt, d.h. es gilt i.A.
nicht:
Als Räume der beschränkten und fastperiodischen
Funktionen definieren wir:
1.2 Absolutsummierbare Signale1.2.1 EinführungWas eine absolutsummierbare Funktion ist, haben wir in Abschnitt 1.1.2 kennengelernt. Unter einem Signal versteht man nun eine (idealisierte) Messfolge, die, frei von Fehlern jeglicher Art ("Störungen"), nur auswertbare Informationen enthält.. Eine wichtige Gruppe sind die fastperiodischen Signale, zu der z. B. das Niederfrequenzsignal eines Rundfunksenders gehört. Wir wollen uns jedoch ausschließlich mit Signalen beschäftigen, die absolutsummierbar sind. Fast alle Messfolgen in der Spektroskopie enthalten nämlich absolutsummierbare Funktionen als additive Signalbestandteile. So besteht z. B. das Absorptionsspektrum eines Festkörpers aus einer Vielzahl von mehr oder weniger breiten Linien, die einzeln genommen jeweils diese Eigenschaft besitzen. Die Messfolge selbst braucht in ihrer Gesamtheit nicht absolutsummierbar zu sein. Das wäre z. B. der Fall, wenn das gesamte Spektrum sich theoretisch aus unendlich vielen Absorptionslinien zusammensetzt oder wenn die Messfolge einen Gleichanteil enthält.1.2.2 Symmetrieeigenschaften und FinitätZunächst führen wir den sehr nützlichen Spiegelungs- oder Paritätsoperator S ein. Ein Operator ist (allgemein gesehen) eine Abbildung zwischen zwei Vektorräumen. Betrachten wir unsere Funktionen als Vektoren, dürfen wir uns einen linearen Operator übrigens als (unendlichdimensionale) Matrix vorstellen. Wir setzen deshalb alle Operatoren wie Matrizen links neben die Funktion, auf die sie wirken sollen:
Statt (Af)[k] schreiben wir zukünftig
Af[k].
Verwechslungen sind nicht möglich, da der Ausdruck A(f[k]),
wie man ihn leider häufig findet, keinen Sinn hat. f[k] ist nämlich
eine Zahl, und Operatoren sind ja nicht Abbildungen zwischen skalaren Räumen,
sondern zwischen Vektor- bzw Funktionenräumen.
Die wichtigsten Eigenschaften des Spiegelungsoperators fassen wir in einem Hilfssatz zusammen: Sei
Die symmetrischen und antisymmetrischen Funktionen sind also gerade die Eigenfunktionen von S. Ein Beispiel für eine symmetrische Funktion ist eine Gaußkurve, deren Maximum bei k = 0 liegt. Die manchmal gemessene Ableitung einer Gaußfunktion ist hingegen antisymmetrisch. Viele Funktionen, mit denen wir uns beschäftigen
werden, sind außerhalb eines begrenzten Intervalls identisch null. Zu
ihrer Kennzeichnung bedienen wir uns des Projektionsoperators PN.
Der Projektionsoperator zeichnet sich
durch folgende Eigenschaften aus:
Die finiten Funktionen sind damit Eigenfunktionen
von PN. Den Raum der finiten Funktionen nennen wir PNV.
Das soll ein Hinweis darauf sein, dass man PN generell
auf alle Funktionen aus V anwenden kann. Das Resultat ist in jedem
Fall absolutsummierbar.
Es gilt: 1.2.3 Skalarprodukt, Normen, MomenteDieser Abschnitt ist der Einführung eines Skalarprodukts und einiger wichtiger Funktionale (Abbildungen, die einer Funktion eine Zahl zuordnen) gewidmet.
Die Berechtigung dafür, dass die obigen
Gebilde sich Skalarprodukt bzw Norm nennen dürfen, liefern die folgenden
Hilfssätze.
Der Raum der quadratsummierbaren Funktionen
bildet mit || || einen abzählbar unendlichdimensionalen Hilbertraum.
Bei der Auswertung von Messfolgen sind
vielfach die Momente eines (absolutsummierbaren) Signals von Bedeutung.
Sie sind, falls sie existieren (was bei höheren Momenten durchaus nicht
selbstverständlich ist), lineare Funktionale.
Die folgenden einfach zu verifizierenden
Formeln sind dazu angetan, spätere Berechnungen erheblich zu vereinfachen.
Zum Schluss dieses Abschnitts seien noch
einige wichtige Ungleichungen angegeben.
Sind alle Werte f[k], k ∈ ℤ einer Funktion f größer oder gleich null, so gilt in (i) das Gleichheitszeichen. 1.2.4 RechenoperationenDie Addition von Funktionen und die Multiplikation von Funktionen mit Skalaren sind bereits durch die Vektorraumeigenschaften von V1, V2 usw festgelegt. Sie erfolgen, wie man es bei Vektoren gewöhnt ist, komponentenweise. Um unsere Rechnungen überschaubarer zu machen, führen wir noch zwei weitere Operationen zwischen absolutsummierbaren Funktionen ein: Die Multiplikation (●) und die Faltung (∗).
Die Beweise sind im Fall der Multiplikation sehr einfach. Bei der Faltung führen Variablensubstitutionen dank der unendlichen Summationsgrenzen schnell zum Ziel. Das Einselement der Faltung nennen wir
d.
Es entspricht der "Dirac-Deltafunktion" im kontinuierlichen Fall und zeichnet
sich dadurch aus, dass gilt:
Im folgenden Hilfssatz sind als Ergänzung
zu Hilfssatz 1.7 weitere Formeln von Bedeutung
zusammengestellt.
Teil (i) und (ii) sorgen insbesondere dafür, dass die Multiplikation und die Faltung zweier absolutsummierbarer Funktionen wieder absolutsummierbar ist. 1.2.5 BeispieleIn der Spektroskopie spielen Gaußfunktionen als Absorptions- oder Emissionslinien eine wichtige Rolle. Sie haben die Form:
Die Gaußfunktionen sind absolutsummierbar,
symmetrisch, aber nicht finit. Normen und Moment lassen sich nicht elementar
berechnen. Ersetzt man jedoch die Summen durch Integrale, so erhält man
geschlossene Ausdrücke mit einem Fehler, der für α > 1 überraschend
klein ist: Beispiel:
Ist α sehr groß, kann der Fehler, der
bei der Summation mit Hilfe eines Rechners entsteht, sogar größer sein,
als der der folgenden Abschätzungen:
Abklingvorgänge (z. B. radioaktiver Zerfall)
verlaufen in der Regel exponentiell:
Die Funktion gα
ist
wieder absolutsummierbar, aber sonst weder symmetrisch oder antisymmetrisch,
noch finit. Die Normen und Momente sind hier insbesondere geometrische
Reihen und lassen sich im Bedarfsfall einfach berechnen. Wie bei der Gaußfunktion
existieren alle Momente.
das dritte Beispiel ist ein synthetisches
Signal, das die Eigenschaften Symmetrie, Absolutsummierbarkeit und Finität
in sich vereint.
Diese Funktion (Fensterfunktion genannt,
weil gilt: PNf = wN ●
f)
ist in der Theorie der digitalen Filter unentbehrlich.
Charakteristisch für wN
ist (wie für alle finiten Funktionen), dass sämtliche Momente endlich
sind.
Schließlich seien noch die Lorentzfunktionen
beschrieben, die wie die Gaußfunktionen als spektroskopische Signale in
Frage kommen:
hα ist symmetrisch,
absolutsummierbar, aber nicht finit. Die Normen und das Moment einer Lorentzfunktion
sind exakt bestimmbar
Im Vergleich zur Gaußfunktion konvergieren die Ausläufer einer Lorentzfunktion wesentlich langsamer gegen null. So verwundert es auch nicht, dass die höheren Moment nicht existieren. 1.2.6 Spektroskopische SignaleIn der Spektroskopie erwartet man idealerweise Spektren mit "unendlich scharfen" d.h. monochromatischen Emissions- oder Absorptionsspektren, die irgendwelchen diskreten Energieniveaus zugeordnet werden können. Dass die Resonanzstellen eines Spektrums diese Eigenschaft in der Praxis nicht besitzen, sondern um einen Mittelwert herum verschmiert sind, hat mannigfache Gründe, von denen wir hier einige ansprechen wollen.In der optischen Spektroskopie verschlechtert i.A. die endliche Auflösung eines Spektrografen die Schärfe einer Linie. In Gasentladungen rufen thermische Bewegungen auf Grund des Dopplereffekts gaußförmige Linienverbreiterungen hervor, wobei der Maxwell-Verteilung die formgebende Rolle zukommt. Weiterhin hat die endliche Lebensdauer von Emissionsprozessen (in Festkörpern z. B. durch Phononenstöße veranlasst) "lorentzförmige" Linien (Abb. 1.6) zur Folge, z. B. wenn eine Emission irgendwann beginnt und dann die Amplitude exponentiell abfällt. Dass jedoch gerade in Festkörperspektren vorwiegend gaußförmige Linien anzutreffen sind, lässt sich auf folgende Weise erklären: Betrachtet man zunächst nur einen (Kristallgitter-) Nachbarn des emittierenden Atoms, so ist festzustellen, dass durch Wechselwirkungskräfte beliebiger Natur, deren Größe bestimmten Wahrscheinlichkeitsverteilungen gehorcht, Frequenzverschiebungen entstehen. Die Superposition dieser effekte von allen Nachbarn bewirkt nach den Zentralen Grenzwertsatz eine Verteilungsfunktion der Gesamtwechselwirkung, die annähernd gaußförmig ist, wobei die Form der Einzelverteilungen von untergeordneter Bedeutung ist. 1.3 Störungen1.3.1 DefinitionAls Störungen wollen wir solche additiven Bestandteile einer Messfolge bezeichnen, die "nichts mit dem zu untersuchenden physikalischen Ereignis zu tun haben". Störungen entstehen hauptsächlich im Detektor und im nachfolgenden Verstärker eines Messaufbaus, manchmal nehmen sie sogar schon im Messobjekt ihren Ursprung. Gemeinsames Charakteristikum aller Störungen ist ihre Unerwünschtheit: Sie erschweren nämlich die Auswertung des Signals oder machen sie gar unmöglich.Zu den Störungen rechnen insbesondere Nullpunktverschiebungen (Gleichanteile) der Messfolge, einzelne Störspitzen, regellose Schwankungen des Signals (Rauschen) sowie monofrequent Überlagerungen (50 Hz-Brummen z. B.). Nullpunktverschiebungen sollen hier nicht behandelt werden, da sie meist am einfachsten zu eliminieren sind. Voraussetzung dazu ist natürlich Driftfreiheit, d.h. der Gleichanteil muss für alle Messpunkte konstant sein. 1.3.2 StörspitzenZu den Störspitzen rechnen wir Störungen, die so "kurzzeitig" auftreten, dass sie bei der Diskretisierung der Messfolge nur zu einem Punkt aufgelöst werden. Konkret gemeint sind also einzelne Messpunkte, die aus der Reihe fallen. Verursacht werden sie zum Beispiel durch Ein- und Ausschaltvorgänge bei leistungsstarken Motoren. Mathematisch lässt sich eine Störspitze (ohne Beschränkung der Allgemeinheit bei k = 0) durch den schon bekannten Einheitsimpuls
1.3.3 RauschenAls Rauschen bezeichnen wir eine signalfreie Messfolge, deren Messwerte regellos um einen "Mittelwert" fluktuieren. Es sei nicht verschwiegen, dass es auch Signale gibt, die diese Eigenschaft aufweisen: z. B. die Rauschspannung eines Widerstands beim Rauschthermometer oder die radioaktive Zerfallskurve bei einer kleinen Zerfallsrate. Solche Signale werden in dieser Arbeit nicht behandelt.Wir definieren zwei wichtige Funktionale:
Zu den Benennungen dieser Funktionale ist anzumerken, dass es sich um einen "Zeit"-Mittelwert und eine "Zeit"-Varianz handelt, nicht um "Schar"-Werte, wie sie der Statistiker kennt. Um ein "Schar"-Mittel und eine "Schar"-Varianz zu erhalten, müssen wir in Def. 1.14 an Stelle der Messwerte f[k] unendlich viele Messfolgen fk gliedweise miteinander addieren (bzw. quadrieren und addieren und bekämen je eine neue Messfolge (keine Zahlen!). Sind alle Werte dieser beiden Messfolgen jeweils konstant und identisch mit unserem Mittelwert bzw. unserer Varianz, so haben wir es mit "ergodischem" Rauschen zu tun, auf das wir uns in den Ausführungen über Digitalfilter beschränken wollen. Ferner gehen wir ohne Beschränkung der Allgemeinheit davon aus, dass der Mittelwert des Rauschens null ist: <f> = 0. Die Varianz dürfen wir anschaulich als ein Maß für die mittlere Amplitude des Rauschens ansehen. Sie ist vergleichbar mit der Norm für quadratsummierbare Funktionen, während der Mittelwert dem Moment entspricht. Der Korrelationsoperator Θ erlaubt
uns eine weitere Klassifizierung des Rauschens.
Für <f> = 0 wird die Funktion
Θf
(normierte
Auto-) "Korrelationsfunktion" von f genannt. Sie ist ein Maß für
die Abhängigkeit eines Messwerts f[k] von seinen Nachbarn und hat
für "vernünftiges" Rauschen folgende Eigenschaften:
In allen Rechnungen ist sogenanntes weißes
Rauschen am bequemsten zu handhaben.
Weißes Rauschen liegt also dann vor, wenn ein Messwert f[k] unabhängig von seinem Nachbarn eine rein zufällige Größe annimmt. Nichtweißes Rauschen nennen wir "farbig" (korreliert). Die Verteilungsfunktion ordnet jedem Wert des Rauschens eine Wahrscheinlichkeit für sein Auftreten innerhalb der Messfolge zu. Eine Konsequenz des "Zentralen Grenzwertsatzes" ist, dass Rauschen in der Praxis meist annähernd nach einer Gaußfunktion verteilt auftritt. Rauschen, das exakt einer Gaußverteilung folgt, ist übrigens ein Beispiel für eine fastperiodische Funktion, die nicht beschränkt ist. Es können nämlich, wenn auch mit verschwindend kleiner Wahrscheinlichkeit, beliebig hohe Werte vorkommen. Für die Berechnung der Rauschunterdrückung
eines Digitalfilters genügt es vollkommen, wenn vom Rauschen die Korrelationsfunktion
bekannt ist, so dass wir auf Verteilungsfunktionen nicht näher einzugehen
brauchen. Die beiden folgenden Abbildungen zeigen verschieden verteiltes
weißes Rauschen gleicher Varianz.
1.3.4 Periodische StörungenIn der Praxis macht sich besonders die 50 Hz-Netzwechselspannung mit ihren Oberwellen bemerkbar. Ihre Einflüsse lassen sich durch geeignet Maßnahmen bei der Analog-Digital-Wandlung ausschalten, z. B. durch Einsatz von Wandlern, die über die volle 50 Hz-Periode integrieren. Auch durch digitale Filterung kann ein periodischer Störanteil wirksam unterdrückt werden.1.4 Diskrete Fouriertransformation1.4.1 DefinitionAn dieser Stelle soll die "diskrete Fouriertransformation" mathematisch motiviert werden. Aus der Theorie der Fourierreihen wissen wir, dass sich eine periodische Funktion in eine komplexe Fourierreihe entwickeln lässt. Erfüllt diese Funktion bestimmte Eigenschaften, so kann man sicher sein, dass sie an allen Stetigkeitsstellen mit ihrer Fourierreihe übereinstimmt. Die Koeffizienten der Fourierreihe ermöglichen dann eine vollständige Bestimmung der periodischen Funktion. Auffallend ist, dass sich ein periodisches Signal ausschließlich aus Sinus- und Cosinusschwingungen ganzzahlig vielfacher Frequenz zusammensetzt. Man spricht deshalb von einem diskreten Spektrum des kontinuierlichen Signals.Wir werden diese Anschauung für unsere
Zwecke jetzt umkehren, indem wir die Werte eines diskreten absolutsummierbaren
Signals f ∈
V1 mit den Fourierkoeffizienten
identifizieren. Die daraus gebildete Fourierreihe nennen wir Spektrum von
f und die Operation der Reihenbildung "diskrete Fouriertransformation".
dass dies sinnvoll ist, wird sich in der Theorie der Digitalfilter zeigen.
Das (kontinuierliche!) Spektrum ℱ
f einer diskreten Funktion
f ∈ V1 ist immer
2π-periodisch, die gesamte Information des Signals steckt also in einem
"Frequenz"-Intervall der Länge 2π, wir wählen ]- π, π] (d.h. - π
< ω ≤ π). Spektren absolutsummierbarer Funktionen sind im Übrigen
stetig und beschränkt. Den Raum dieser Spektren wollen wir F ("Frequenzraum")
nennen.
Beide Transformationen sind lineare Operatoren.
Für die Spektren können wir in ähnlicher Weise wie bei den absolut-
bzw quadratsummierbaren Funktionen ein Skalarprodukt und eine Norm definieren:
Die folgenden Eigenschaften geben uns
wiederum die Berechtigung zur Namengebung:
Der mathematisch interessierte Leser möge beachten, dass durch unsere Beschränkung auf riemannintegrable Spektren (Def. 1.18) der Raum F mit der Norm ||| ||| nicht vollständig, also nur ein Prähilbertraum ist. 1.4.2 Fouriertransformierte SignaleWir wollen nun betrachten, wie wichtige Signaleigenschaften, die wir für absolutsummierbare Funktionen f ∈ V1 definiert haben, im Frequenzraum F aussehen. Tiefergehende Erörterungen mögen einem Studium der Theorie der Fourierreihen vorbehalten bleiben. Beginnen wir mit der Parsevalgleichung:
Die Symmetrieeigenschaften des Signals
lassen sich mit den Formeln
beschreiben. Man erhält, dass symmetrische Funktionen ein reelles symmetrisches Spektrum haben, antisymmetrische Funktionen hingegen ein imaginäres antisymmetrisches. Für Spektren definieren wir nun eine
Multiplikation (●) und eine Faltung (∗).
(In (ii) ist zu beachten, dass auf Grund
der 2π - Periodizität der Spektren ihr Definitionsbereich beliebig erweitert
werden kann.)
Die diskrete Fouriertransformation überführt (wie die kontinuierliche) also ein Multiplikation in ein Faltung und umgekehrt. Diese Eigenschaft macht die Fouriertransformation in vielen Rechnungen zu einem wertvollen Hilfsmittel, da die Multiplikationen wesentlich einfacher auszuführen sind als Faltungen. Für die Momente ergibt sich, falls sie
existieren:
Die m-ten Momente sind somit direkt proportional der m-ten Ableitung des Spektrums an der Stelle null. Die Sätze 1.1 bis 1.3 erlauben es uns, wahlweise mit einer Funktion f ∈ V1 oder ihrem Spektrum ℱ f ∈ F zu arbeiten. Die Entscheidung wird davon abhängen, in welchem Raum wir unsere Problem besser formulieren und lösen können. In diesem Sinne haben wir es in der vorliegenden Arbeit vornehmlich mit V1 zu tun. 1.4.3 Zusammenhang mit der kontinuierlichen FouriertransformationAls kontinuierliche Fouriertransformation definieren wir:
Meistens hat man es in der Praxis mit
kontinuierlichen Signalen zu tun, die erst diskretisiert werden müssen.
Auf absolutintegrable kontinuierliche Signale f kann man
die kontinuierliche Fouriertransformation
ℱ anwenden, und
es ist nun interessant, zu wissen, in welcher Weise das Spektrum
ℱf
des kontinuierlichen Signals mit dem des diskretisierten (ℱ f)
zusammenhängt.
Ist nun ℱ f
außerhalb des Intervalls ]-π,π] identisch null, so ergibt sich
Damit ist insbesondere sichergestellt, dass ein kontinuierliches Signal f, dessen Spektrum außerhalb ]-π,π] überall null ist, ohne jeglichen Informationsverlust diskretisiert werden kann (Sampling-Theorem siehe: Jerri 1977 p 1565). 1.4.4 BeispieleZur Illustration der diskreten Fouriertransformation seien im Folgenden einige Beispiele angegeben.Der Einheitsimpuls d hat das einfachste Spektrum:
Die Fensterfunktion ist schon schwieriger zu transformieren
Die Lorentzfunktion
ist eine absolutsummierbare Funktion, für die nur das Moment µ, nicht jedoch alle höheren Momente µm existieren. Im Spektrum äußert sich das als nichtdifferenzierbare Stelle bei ω = 0.
2 Grundlagen digitaler Filter2.1 Definition des Digitalfilters2.1.1 VorbemerkungenPhysikalische Messfolgen werden in der Regel nicht in ihrer ursprünglichen Form ausgewertet. In vielen Fällen ist z. B. eine Unterdrückung des Rauschanteils wünschenswert oder gar erforderlich. Ein Vorgang, der solches wenigstens teilweise bewerkstelligt, heiß Glättung. Im Prinzip kann man ein kontinuierliches Signal natürlich durch elektrische Filter (z. B. RC-Filter) glätten. Es wird sich aber zeigen, dass eine Glättung des diskretisierten Signals, digitale Filterung genannt, vorteilhafter ist.Der Begriff "digitale Filterung" lässt sich problemlos auf andere Operationen, die aus einer diskreten Messfolge eine neue machen, verallgemeinern. Beispiel hierfür sind die "diskrete Differentiation" oder die gezielte Abschwächung einzelner "Frequenzbestandteile" des Signals (Filterung im üblichen Sinn). 2.1.2 DefinitionWir nennen einen mathematischen Operator D, der eine diskrete Messfolge f in eine neue (Df) überführt, Digitalfilter, wenn er sich wie folgt definieren lässt:
Die Absolutsummierbarkeit der Filterfunktion
a
sichert die Beschränktheit des Operators D. Das bedeutet: Ein absolutsummierbares
Signal f ∈ V1 bleibt nach der Filterung absolutsummierbar,
ein quadratsummierbares f ∈ V2
quadratsummierbar
und ein beschränktes
f ∈ Vsup beschränkt.
Ist die Filterfunktion finit, können wir D theoretisch sogar auf
alle
Elemente aus V anwenden, da es bei endlichen Summen
keine Konvergenzprobleme gibt. Bei absolutsummierbaren Signalen entspricht
die Operation der digitalen Filterung einer Faltung des Signals mit der
Filterfunktion:
Filtern wir den Einheitsimpuls d, so erhalten wir als Ausgangsfunktion die Filterfunktion Dd = a ∗ d = a, weshalb diese oft Impulsantwort heißt. 2.1.3 FrequenzgangWir wenden den Operator D jetzt einmal versuchsweise auf ein beschränktes komplexes Signal der Formf[k] ≔ exp(- iωk) = cos(ωk) + i sin(ωk)
Als Ausgangssignal erscheint also das Eingangssignal, gewichtet mit einem nur von ω, nicht aber von k abhängigen Faktor
Für absolutsummierbare Funktionen f
gilt:
Im Frequenzraum lässt sich die digitale Filterung also durch eine Multiplikation des Signalspektrums mit dem Frequenzgang des Filters ausdrücken, ganz so, wie man es bei kontinuierlichen Filtern gewöhnt ist. 2.2 Eigenschaften von Digitalfiltern2.2.1 Universelle EigenschaftenDie universellen Eigenschaften eines Digitalfilters sind diejenigen, die man gratis durch die Definition geliefert bekommt und die infolgedessen für beliebige Digitalfilter Gültigkeit haben. Zu den wichtigsten Merkmalen dieser Kategorie gehören die Linearität und die Translationsinvarianz.
Die Linearität ist gerade deshalb von Bedeutung, weil sich eine Messfolge i.A. aus vielen Einzelsignalen (z. B. Gaußfunktionen) additiv zusammensetzt. Sie ermöglicht uns auch eine getrennte Betrachtung der Wirkung eines Digitalfilters auf Signale und Störungen. Translations- oder Zeitinvarianz meint,
dass die Filterung einer "zeit"-verschobenen Messfolge das gleiche Ergebnis
liefert, wie die verschobene gefilterte Messfolge. Identifizieren wir die
Variable der Messfolge mit der Zeit, können wir anschaulich sagen: Die
Filtercharakteristik ist zeitunabhängig. Der Translationsoperator Tschafft
die Voraussetzung für eine mathematische Formulierung dieses Sachverhalts.
Wir erhalten dann:
Beispiele für nichttranslationsinvariante Operatoren sind der Spiegelungsoperator S und der Projektionsoperator PN: ST = T-1S und PNT ≠ TPN. Bemerkenswert ist, dass sich fast alle
Eigenschaften durch "Vertauschungsrelationen" darstellen lassen. Vertauschbar
sind auch zwei beliebige Digitalfilter miteinander.
In der Praxis heißt das z. B.: Es ist gleich, ob wir eine Messfolge erst (diskret) differenzieren und dann glätten oder ob wir erst glätten und dann differenzieren. Sind a1 und a2 die Filterfunktionen zu D1 und D2, so erlaubt uns der Hilfssatz 1.9 (ii) sogar die Bildung eines einzigen Digitalfilters D3 = D1D2 mit der Filterfunktion a3 = a1 ∗ a2. 2.2.2 Symmetrische Digitalfilter
Die Definition der Symmetrie hätten wir
auch auf andere Weise vornehmen können:
Der Teil (ii) von Satz
2.5 liefert uns eine folgenschwere Aussage:
Ist eine Filterfunktion antisymmetrisch, spricht man von einem antisymmetrischen Digitalfilter. Wesentlich ist die Frage der Realisierbarkeit symmetrischer Filter. Sehen wir uns die Faltungssumme
Anders sieht die Sache aus, und das ist ein wesentlicher Vorzug digitaler Filter gegenüber kontinuierlichen, wenn die Messfolge bereits digital abgespeichert ist. Die Variable ist dann nicht mehr gezwungenermaßen die Zeit, sondern die Speicherplatznummer, und mit der gibt es keine Kausalitätsprobleme. Bei elektrischen Filtern ist die Variable immer die Zeit. Es kann also kein nichttriviales elektrisches Filter geben, das die Symmetrieeigenschaften eines Signals exakt erhält. Das Resultat ist zB bei Gaußfunktionen eine Verschiebung des Maximums. 2.2.3 Finite DigitalfilterBisher sind wir immer davon ausgegangen, dass es unendlich viel Speicherplatz gäbe, und dass man beim Faltungsprozess unendlich viele Rechenoperationen für jeden einzelnen gefilterten Funktionswert durchführen könne. Beides ist in der Praxis natürlich unmöglich. Abhilfe schafft hier das finite Digitalfilter, das jeden gefilterten Wert aus endlich vielen ungefilterten berechnet.
Jeder Wert Df[k] der gefilterten Funktion (Df) hängt dann nur noch von einem begrenzten Bereich (z. B. -N ≤ k ≤ N) der Eingangsfunktion f ab:
Im Übrigen kann jede nichtfinite Filterfunktion
a
durch eine finite approximiert werden, da wegen der Forderung
Auch für finite Digitalfilter DN
lässt sich eine Art Vertauschungsrelation beweisen.
Diese Relation besagt u.a., dass aus a ∈ PNV und f ∈ PKV folgt, dass Df ∈ PN+KV. das Ausgangssignal ist also schlimmstenfalls über den Bereich -(K + N) ≤ k ≤ K + N verteilt - was jedoch nicht ausschließt, dass es auch "schmaler" als das Eingangssignal f sein kann. Mit finiten Digitalfiltern ist im Übrigen eine Quasi-Echtzeitfilterung möglich, wenn man eine Zeitverzögerung zwischen Ein- und Ausgang zulässt. Diese Verzögerung muss mindestens so groß sein, dass die Kausalitätsbedingung erfüllt ist. Beispiel: aN ∈ PNV → T-NaN[k] = 0 (k < 0) T-NDNf = T-NaN ∗ f = DNT-Nf 2.2.4 Invertierbare DigitalfilterEs mag Fälle geben, in denen man zB eine unvermeidbare kontinuierliche Vorfilterung des Signals (zB hervorgerufen durch parasitäre RC-Filter) rückgängig machen will. Gelingt es, die kontinuierliche Vorfilterung wenigstens approximativ durch ein Digitalfilter darzustellen (gemäß Satz 1.4), hat man den ersten Schritt getan. Als Nächstes, und damit wollen wir uns hier kurz beschäftigen, ist die Frage der Invertierbarkeit dieses Digitalfilters zu klären. Wir suchen also nach einer Filterfunktion a', für die gilt
Im Frequenzraum F wird daraus
Diese Gleichung lässt sich durch ℱIa'
●
ℱI
Dieser Satz schließt nicht aus, dass
es inverse Operatoren A-1 mit 2.2.5 Wertebereich einer gefilterten MessfolgeFür praktische Belange ist es von Bedeutung, wie sich der Wertebereich einer Messfolge durch die Filterung ändert. Nimmt also die ursprüngliche Messfolge Werte im Bereich
Die Änderung des Wertebereichs ist somit
direkt von der Eins-Norm der Filterfunktion abhängig. Es ist nicht schwer,
Signale 2.2.6 BeispieleDas bekannteste Digitalfilter ist wohl das Mittelwertfilter. Wir definieren hier eine symmetrische Ausführung:
nur im Trivialfall N = 0 ohne Nullstellen ist. Der Wertebereich eines Signals bleibt wegen ||a||1 erhalten. Der Differenzenoperator Δ ist ebenfalls ein finites Digitalfilter: Δ ≔ ½(T - T-1) Es hat die antisymmetrische Filterfunktion
und wegen ℱI ℱIa(ω) = ½(exp(iω) - exp(-iω)) = i sin(ω) Im Bereich kleiner ω-Werte (→
ℱIa(ω)
≈ iω) wirkt der Differenzenoperator wie eine Differentiation. Die Differenzenbildung
ist nicht umkehrbar Ein RC-Filter kann durch ein "digitales
RC-Filter" approximiert werden, wenn wir als Filterfunktion wählen:
Dieses Filter ist weder finit, noch symmetrisch,
noch antisymmetrisch, dafür aber kausal. Der Frequenzgang (geometrische
Reihe!)
ist stetig, differenzierbar und frei von
Nullstellen. Wir haben also
woraus sich die inverse Filterfunktion
a-1
durch Koeffizientenvergleich direkt ablesen lässt:
Das diskrete RC-Filter erweist sich als
brauchbare Simulation des elektrischen RC-Filters auf dem Rechner, wobei
α mit der Zeitkonstante verknüpft ist: α = exp(- τ/(RC)). Eine gute
Approximation darf man erwarten, wenn die Zeitkonstante RC des kontinuierlichen
Filters wesentlich größer als der Samplingabstand τ ist. (Bendat-Piersol
1971 S 297) der Signalwertebereich bleibt erhalten:
Vielfach wird der (ideale) digitale Tiefpass
diskutiert. Sein Name entspringt der Eigenschaft, ausschließlich Signalfrequenzanteile
aus ]-π,π], deren Betrag kleiner als βπ
Die Unstetigkeit des Frequenzgangs bei
ω = ± βπ hat allerdings zur Folge, dass die formal gebildete Filterfunktion
ℱ-1g
zwar quadratsummierbar, nicht aber absolutsummierbar ist! Damit dürfen
wir den idealen Tiefpass nach unserer Definition nicht zu den Digitalfiltern
zählen.
Eine der Kuriositäten des Tiefpasses
ist die, dass an der Stelle null des Frequenzgangs zwar alle Ableitungen
existieren, nicht jedoch die m-ten Momente (vgl. Satz
1.3). Die Daten:
ℱ 2.3 Signaldeformation durch digitale Filterung2.3.1 VorbemerkungenWir werden uns jetzt immer gezielter der Gruppe von Digitalfiltern zuwenden, die die Aufgabe haben, bei kleinstmöglicher Verformung des Signals eine hohe Störunterdrückung zu erwirken. Das Hauptinteresse gilt dabei denjenigen Signalen, die sich durch gaußähnliche Funktionen beschreiben lassen. Gaußähnlich nennen wir alle symmetrischen absolutsummierbaren Funktionen mit positivem Maximum an der Stelle null. Beispiele für gaußähnliche Funktionen sind die Gaußfunktion selbst, die Lorentzfunktion, die Fensterfunktion wN und der Einheitsimpuls d.In den allermeisten Fällen ist es nicht möglich, das Ausgangssignal eines Digitalfilters in geschlossener Form zu berechnen. Wir werden deshalb darauf angewiesen sein, die wichtigsten Signaleigenschaften als Funktionale darzustellen und dann deren Änderung zu ermitteln. 2.3.2 Eigenfunktionen eines DigitalfiltersZunächst ist die Frage von Bedeutung, ob es nichttriviale Digitalfilter D gibt, die ein Signal f bis auf eine Konstante unverändert lassen:
Der Beweis ist denkbar einfach: Sei
Der folgende Satz lässt sich leicht nachrechnen.
Allen Eigenfunktionen f ist gemeinsam,
dass man ihre Werte
2.3.3 Maximumverschiebung bei gaußähnlichen SignalenDie wichtigste physikalische Eigenschaft einer gaußähnlichen Linie zB in einem Emissionsspektrum ist die Lage ihres Maximums. Wir hatten bereits gezeigt, dass symmetrische Filter die Symmetrieeigenschaften einer Funktion erhalten (2.2.2). Ist also ein symmetrisches Digitalfilter mit einer anständigen Filterfunktion ausgestattet (die zB aus einem Gaußpeak nicht zwei macht, was auch denkbar wäre), so bleibt das Maximum einer gaußähnlichen Funktion in seiner Lage unverändert. bei nichtsymmetrischen Filtern (zB RC-Filter) ist diese Erhaltungseigenschaft ausgeschlossen. Die Berechnung der Maximumverschiebung ist hier mit analytischen Methoden i.A. nicht möglich, so dass man auf die Hilfe eines Rechners angewiesen ist.2.3.4 Höhenreduktion und Verbreiterung gaußähnlicher SignalePhysikalisch gesehen stellt die Höhe des maximums zB einer Gaußline ein Maß für die Intensität des spektralen Ereignisses dar. Deshalb ist der Einfluss einer Digitalisierung auf die Höhe des Signals an der Stelle null nicht ohne Bedeutung, wobei wir davon ausgehen, dass der Nullpunkt der Variable immer an der Stelle des zu betrachtenden Maximums liegt. Die (Maximal-) Höhe einer gaußähnlichen Funktion f wird damit durch das FunktionalSind zwei gaußähnliche Signale additiv so überlagert, dass ihre Maxima dicht nebeneinander liegen, erhebt sich die Frage der "Auflösungsverschlechterung" durch digitale Filterung. Die Auflösung zweier Spektrallinien wird umso schlechter, je mehr sich die einzelnen Linien bei der Filterung verbreitern. Die Änderung der Breite (zB Halbwertsbreite) einer gaußähnlichen Funktion lässt sich manchmal näherungsweise, meist aber nur unter Benutzung eines Rechners ermitteln. Eine grobe Abschätzung legt nahe, dass µ(Df)/Df[0] ein Maß für die Breite des gefilterten Signals sein könnte, wenn µ(f)/f[0] proportional der Breite des ungefilterten Signals f ist. 2.3.5 MomentenerhaltungVon den Momenten einer gefilterten Funktion ist, falls sie existieren, Erfreuliches zu berichten.
Das Moment µ(f) wird also bis
auf eine filterspezifische Konstante µ(a) immer erhalten, besondere
Beachtung mögen dabei die Filter mit Die aufgezählten Tatsachen lassen sich als Konstruktionsvorschrift für momentenerhaltende Digitalfilter nutzen. 2.4 Störunterdrückung durch Digitalfilter2.4.1 VorbemerkungenZu den lästigsten Störungen einer Messfolge zählt in der Regel das Rauschen. Wir wollen uns deshalb hier nicht mehr mit periodischen Störungen auseinandersetzen, deren Unterdrückung ja direkt durch den Frequenzgang des Digitalfilters zu beschreiben ist, sondern uns ganz dem Rauschen widmen.2.4.2 RauschunterdrückungWir haben nun zu untersuchen, in welcher Weise ein Digitalfilter auf die mittlere Amplitude des Rauschens einwirkt. Wir setzen farbiges oder weißes, aber ergodisches Rauschen, dessen Mittelwert ohne Beschränkung der Allgemeinheit null ist, voraus.Das Maß für die mittlere Rauschamplitude
war die √Varianz (1.3.3). Gesucht ist also jetzt
die Varianz des gefilterten Rauschens Ds, wobei die Varianz des
Rauschens s bekannt sei.
Uns soll besonders der Fall weißen Rauschens näher beschäftigen. Wir brauchen dann nur die Norm der Filterfunktion a zu berechnen und erhalten auf diese Weise die "Rauschverstärkung". also das Verhältnis von mittlerer Rauschamplitude am Ausgang des Filters zur mittleren Rauschamplitude am Eingang des Filters: σ(Dr)/σ(r). Von einem glättenden Digitalfilter wird
man erwarten dürfen, dass die Rauschverstärkung kleiner als eins ist.
Eine interessant Parallele offenbart sich, wenn wir die Varianz durch die
Norm und das Rauschen durch eine Störspitze d (1.3.2)
ersetzen:
der Einheitsimpuls d scheint sich
so wie weißes Rauschen mit der Varianz eins zu benehmen, nur dass er eben
absolutsummierbar ist. Vertieft wird diese Anschauung noch dadurch, dass
die Definition des weißen Rauschens Θd = d In entsprechender Art lässt sich Dd als farbiges bzw vorgefiltertes "Rauschen" auffassen. Wir wenden dieses "Konzept" jetzt einmal an, um zu zeigen, dass weißes Rauschen, das zweimal das gleiche Filter D passiert, beim zweiten Mal schwächer unterdrückt wird: ||DDd|| = ||a ∗ a|| ≥ ||a||² = ||Dd||² Das Gleichheitszeichen tritt nur auf für a ∗ a = d. Die Rauschverstärkung zweier hintereinandergeschalteter gleicher Filter ||D²d|| ist also für nichttriviale Digitalfilter D immer größer als das Produkt der einzelnen Rauschverstärkungen ||Dd||². Die Ungleichung ist ein Resultat der Schwarz-Ungleichung (Hilfssatz 1.7 (iii)): ||a||² = <a,a> = <d,a ∗ Sa> ≤ ||a ∗ Sa|| = ||a ∗ a|| Die Korrelationsfunktion des gefilterten
Rauschens ist
Der Korrelationsoperator Θ ist also für absolutsummierbare Signale f gegeben durch
Wir hatten für unser Rauschen <s> = 0 angenommen. Nach der Filterung ist der Mittelwert damit ebenfalls null. 3 Optimale Digitalfilter für gaußähnliche Signale3.1 Optimale Digitalfilter (weißes Rauschen)3.1.1 DefinitionEs gibt unzählige Möglichkeiten, "optimale" Digitalfilter zu definieren. Wir wollen den Begriff "optimal" auf ein Digitalfilter anwenden, das in der Lage ist, ein verrauschtes Signal möglichst in seiner Ursprungsform, also ohne Rauschen und ohne Signaldeformation zu reproduzieren. Dass sich bei gaußähnlichen Signalen das Rauschen nicht ohne Deformation abschwächen lässt, ergibt sich aus der Nichtexistenz absolutsummierbarer Eigenfunktionen von Digitalfiltern (Satz 2.9). Also müssen wir nach einem Digitalfilter D mit Filterfunktion a suchen, für das die Rauschverstärkung σ(Ds)/σ(s) möglichst klein ist - unter der Voraussetzung natürlich, dass sich die Signaldeformation in Grenzen hält. Als Maß für die Deformation bei gaußähnlichen Signalen bietet sich die Veränderung der Höhe (des Maximums) an, sie lässt sich rechnerisch am Einfachsten fassen. Für weißes Rauschen r gilt:
Die Höhe des ungefilterten gaußähnlichen Signals f (= Sf) im Maximum ist f[0] = <d,f> = <d,Sf>, die des gefilterten Signals Df Df[0] = <Df,d> = <a ∗ f,d> = <a,Sf> = <a,f> 3.1.2 RechnungWir fragen uns jetzt, wie die optimale Filterfunktion (zunächst für beliebige absolutsummierbare Signale) aussieht unter der Nebenbedingung, dass wir den Signalwert an der Stelle null festhalten, zBDf[0] = f[0] ⇔ <a,Sf> = <d,Sf> Zur mathematischen Berücksichtigung dieser Nebenbedingung bedienen wir uns der Methode der Lagrange-Multiplikatoren und bilden für die quadratische Rauschverstärkung das Lagrange-Funktional ϕ(a) ≔ ||a||² - λ(<a,Sf> - <d,Sf>) Dieses differenzierbare Funktional ist
zu minimieren. Die Ableitung an der Stelle a', ϕ'(a'),
ist die lineare Abbildung
Wir wollen aber stattdessen anschaulicher schreiben ϕ'(a') = 2a' - λSf was der Gradientenbildung (mit partieller Differentiation nach allen a[k], k ∈ Z) in einem unendlichdimensionalen Vektorraum entspricht. Aus der notwendigen Forderung, dass ϕ'(a') im Minimum (bei a' = a) gleich der Nullfunktion o sein muss, erhalten wir a = ½λSf Der Lagrangemultiplikator λ wird mit
Hilfe der Nebenbedingungen (<a,Sf> - <d,Sf>
= 0) bestimmt.
Wir haben in dieser Rechnung bisher alle
absolutsummierbaren Funktionen als Signale zugelassen. Jedoch ist die Nebenbedingung
Df[0]
= f[0] nicht für all diese Funktionen nutzreich. So sind beispielsweise
alle antisymmetrischen Funktionen an der Stelle null gleich null. Damit
wäre die optimale Filterfunktion die Nullfunktion - sicher kein sinnvoll
anwendbares Ergebnis. Beschränken wir uns dagegen auf gaußähnliche Signale,
treten derlei Schwierigkeiten nicht auf. Für diesen Fall wollen wir festhalten:
(ii) Die Unterdrückung weißen Rauschens ist umso besser, je höher die Norm des Signals ist, und die ist i.A. direkt proportional der Halbwertsbreite des Signals.
3.1.3 BeispieleWählen wir als künstliches Signal die Fensterfunktion wN, so erhalten wir als optimale Filterfunktion die Filterfunktion des Mittelwertfilters (2.2.6)
Das gefilterte Signal DwN hat die Form eines Dreiecks (Abb. 3.2)
Ist das Signal eine Gaußfunktion fα[k]
≔ exp(-k²/α²), können wir unter der Voraussetzung genügend großer
α wieder Integralnäherungen benutzen (1.2.5).
Die Halbwertsbreite einer Gaußfunktion beträgt 2√(ln(2))α. Die Halbwertsbreite einer optimal gefilterten Gaußfunktion wächst also um den Faktor √(2). Für Lorentzfunktionen
ist das optimale Digitalfilter Dα
("Lorentzfilter") wieder exakt berechenbar:
Das "Dreiecksfilter" ist benannt nach
seiner Filterfunktion (vgl. Abb. 3.2)
die für ein synthetisches Signal f
mit
3.2 Symmetrische Polynomfilter3.2.1 DefinitionPolynomfilter scheinen die beliebtesten Digitalfilter zu sein, wenn es um die Glättung von Signalen geht. Wir werden ein Digitalfilter, das beliebige Polynome bis zum Grad3.2.2 RechnungBeginnen wir mit der Definition einer Parabel m-ten Grades um ∈ V:
In Worten: Ist der Fehler
Dum[k]
-
um[k] für alle m von 0 bis m' an der Stelle k = 0
null, so wird die Parabel
um' durch das Filter D
nirgends verändert - und umgekehrt. Daraus folgt aber auch, dass
alle niedrigeren Parabeln um, m < m', erhalten bleiben.
Diese Aussage können wir für beliebige Polynome
Um den weiteren Rechengang zu vereinfachen,
führen wir jetzt die Orthogonalpolynome
aus. Mit ihrer Hilfe können wir die Nebenbedingungen
an ein Polynomfilter m'-ten Grades (Satz 3.2) wie
folgt formulieren:
Dass die Polynome bm
finit sind, hat hier keine Auswirkungen, da im Skalarprodukt wegen der
geforderten Finität der Filterfunktion
Unsere Aufgabe ist es nun, nach einer
Filterfunktion Minimieren wir also das Lagrangefunktional
ϕ mit der Rauschverstärkung ||a|| für weißes Rauschen und den
Die Ableitung von ϕ muss im Minimum (a
= am', m' ∈ ℕ0) gleich der Nullfunktion
o
sein:
Die Filterfunktion am'
ist symmetrisch, weil auf Grund der Wahl eines symmetrischen Orthogonalitätsintervalls
(-N bis N) die modifizierten Grampolynome bm für gerade
m symmetrisch und für ungerade m antisymmetrisch sind. Damit gilt aber
für ungerade m: <d,bm> = 0, so dass wir nur
über symmetrische bm summieren müssen:
Weiterhin folgt daraus wegen a2M = a2M+1 die Erhaltung eines Polynoms (2M+1)-ten Grades durch ein Polynomfilter 2M-ten Grades. Die Filterfunktion a2m
lässt sich noch einfacher berechnen, wenn wir von den genau um eine Potenz
erniedrigten Grampolynomen Gebrauch machen. Diese Gebilde wollen wir c2m+1
heißen (siehe 6.1). Weil die b2m+1
antisymmetrisch sind, müssen die daraus gebildeten Polynome c2m+1
natürlich symmetrisch sein.
Das Moment von c2M+1 ist gegeben durch (6.1):
Eine wesentliche Eigenschaft der Polynomfilter
ist bisher noch nicht zum Tragen gekommen: Ein Polynomfilter 2M-ten Grades
erhält die Momente µ und µm für alle m von 1 bis 2M +1 exakt,
falls sie existieren. Es gilt sogar:
Diese Eigenschaft ist ein Ergebnis der
Umformung
3.2.3 Fehlerabschätzung für polynomgefilterte SignaleIn der Praxis kommen polynomiale Signale so gut wie nie vor. Symmetrische Polynomfilter lassen sich jedoch auch vorteilhaft auf gaußähnlich Signale anwenden. Die Idee vieler Polynomfilterberechnungen (zB Savitzky/Golay 1964 p 1627) besteht darin, dass man versucht, jeweils einer begrenzten Anzahl von Messwerten ein Polynom bestimmten Grades anzupassen, und zwar "gleitend", so wie beim Mittelwertfilter eine Gerade gleitend angepasst wird. Der resultierende Glättungseffekt hat bei absolutsummierbaren Funktionen natürlich einen Fehler zur Folge, da sich diese nicht durch eine abbrechende Potenzreihe (d.h. ein Polynom) darstellen lassen. Nehmen wir einmal an, unser Signal f ist die Diskretisierung eines kontinuierlichen Signals f
Die Funktion f sei in eine
Taylorreihe um den Nullpunkt entwickelbar (Beispiel: Gaußfunktionen)
Wenden wir nun ein Polynomfilter D2M
vom Grad 2M auf die Taylorreihe von f an, bleiben nach unserer Theorie
die ersten Glieder dieser Reihe bis
Daraus wird speziell für den Fehler an
der Stelle null:
Für das Skalarprodukt finden wir in 6.1
die Formel:
Eine konkrete Berechnung für Gaußfunktionen
fα[k]
≔ exp(-k²/α²) ergibt dann beispielsweise
Erfahrungsgemäß führen diese Näherungsformeln
für
Im Prinzip kann man auf die geschilderte
Art und Weise auch an anderen Stellen k des Signals den Fehler abschätzen,
wobei die Taylorreihe dann zweckmäßigerweise um den Punkt k herum entwickelt
wird. Man erhält einen Ausdruck, der bei unseren Polynomfiltern D2M
näherungsweise proportional zur 3.2.4 BeispieleDie Polynome b2m bzw c2M+1 entnehmen wir dem Anhang (6.1). Unter Benutzung von Satz 3.4
erhalten wir für M = 0 unser altbekanntes
Mittelwertfilter, dessen Eigenschaften wir ja bereits kennen (2.2.6):
Bedauernswerterweise lässt sich die 1-Norm
von a2,
a4,
a6, ...
nicht elementar berechnen, da diese Filterfunktionen in gewissen Bereichen
negative Werte annehmen - der Preis für die Erhaltung höherer Momente.
Man ist deshalb auf eine numerische Berechnung für jedes N angewiesen,
zum Glück ist aber die N-Abhängigkeit nicht sehr groß.
3.3 Optimale Filterbreite3.3.1 EffizienzIn Abschnitt 3.1 hatten wir festgestellt, dass ein Digitalfilter nur für solche Signale optimal ist, die die gleiche Form wie die Filterfunktion haben. Praktisch ist diese Bedingung kaum erfüllbar, weil fast alle Signale infinit sind (infinite Digitalfilter sind nicht realisierbar), ein und dieselbe Messfolge Signalanteile (zB Gaußkurven) unterschiedlicher Halbwertsbreite enthält und man die genaue Form der Signalanteile oftmals höchstens erraten kann. Das Konzept des optimalen Filters aus 3.1 muss sich deshalb den Vorwurf gefallen lassen, in der physikalischen Messpraxis wirklichkeitsfremd zu sein. Andererseits hatten wir in 3.2.3 schon angedeutet, dass Polynomfilter gut geeignet sind zur Filterung (d.h. Glättung) gaußähnlicher Signale. Spätestens hier stellt sich die Frage, ob es nicht ein Maß dafür gibt, wie gut ein beliebiges Digitalfilter an das theoretisch optimale heranreicht. Dieses Maß müsste auch in der Lage sein, das Verhalten eines festen Filters auf gaußähnliche Signale unterschiedlicher Breite zu beschreiben. In der Tat gibt es ein solches "Bewertungsfunktional" für symmetrische Digitalfilter und gaußähnliche Signale, wir nennen es "Effizienz" (die Statistiker sagen "Korrelationskoeffizient").
Für gaußähnliche Signale f und
symmetrische Digitalfilter
D war
Damit ist klar, dass der Faktor |χ(a,f)|
ein Maß dafür ist, wie gut ein Filter D diese obere Grenze erreicht.
Wie zu erwarten, nimmt |χ(a,f)| beim optimalen Filter
Aussage (i) und (ii) liefern uns auf Grund
der Schwarz-Ungleichung die optimale Filterfunktion, deren Berechnung uns
in 3.1 viel Mühe bereitet hat. (iii) und (iv) machen
noch einmal deutlich, dass Optimalität im Sinne maximaler Effizienz weder
von der Amplitude des Signals f, noch von einem Faktor vor der Filterfunktion
a
abhängt. (v) ist vielleicht für die Anschauung von Bedeutung. Die Norm
3.3.2 Optimale FilterbreiteDie Polynomfilter (3.2) sind nur bis auf einen Parameter, die "Filterbreite" eindeutig bestimmt. Wir können deshalb fragen, wie dieses N zu wählen ist, damit die Effizienz χ(a,f) für eine Filterfunktion
Stellen wir die Effizienz als Funktion
der Filterbreite N dar, so ergibt sich, dass sie tatsächlich ein Maximum
hat, und zwar bei N = 9 (Abb. 3.4).
Ihr Wert beträgt dort χ(w9,f10) ≈ 0.94466. Man kann also das Mittelwertfilter durch Variation der Filterbreite N so einstellen, dass es ein um nur ca. 5.5% schlechteres Signal-Rausch-Verhältnis produziert als das zugehörige optimale (Gauß-) Filter! Ist N = 0, erscheint das Signal (f10)
ungefiltert am Ausgang, der Wert
(ii) Zu starke Glättung (d.h. hohe Filterbreite
mit entsprechend hoher Rauschverstärkung bei kleiner Signalbreite) verschlechtert
das Signal-Rausch-Verhältnis bei einem gaußähnlichen Signal.
3.3.3 Zur Wahl der SamplingfrequenzIn 3.3.1 hatten wir festgestellt, dass das Signal-Rausch-Verhältnis am Ausgang eines symmetrischen Filters (Df[0]/σ(Dr), f gaußähnlich) zwar gleich, aber niemals größer als ||f||/σ(r) werden kann. Diese obere Grenze ist aber direkt proportional der Norm des Signals ||f||. Ist nun das diskrete Signal f aus einem kontinuierlichen (f) durch Abtastung (zB
sind die Summen (Def. 1.9, 1.11, 1.14, 1.15) durch Integrale und a, f sowie s durch die zugehörigen kontinuierlichen Funktionen a, f und s zu ersetzen. Die Existenz einer oberen Grenze für das Signal-Rausch-Verhältnis macht insbesondere deutlich, dass eine sinnlose Erhöhung der Abtastfrequenz zwar den technischen Aufwand, nicht aber den Nutzen steigert. Stellt man also bei einer Messung eine erhebliche Korrelation des Rauschens fest, ist zu befürchten, dass die Abtastrate unnötig hoch gewählt wurde. 3.4 Optimale Digitalfilter (farbiges Rauschen)3.4.1 VorbemerkungenBisher haben wir unsere Digitalfilter nur für weißes Rauschen r optimiert. Der Vollständigkeit halber seien hier auch optimale Filter für farbiges Rauschen behandelt. In der Praxis entsteht farbiges ("korreliertes") Rauschen zumeist durch ("Vor"-) Filterung weißen Rauschens; aber selbst, wenn dies nicht der Fall ist, kann man es theoretisch i.A. so behandeln. Es gibt theoretisch drei Möglichkeiten, die zu unterscheiden sind:
(ii) nur das Rauschen vorgefiltert (bzw farbig) (iii) nur das Signal vorgefiltert, Rauschen weiß 3.4.2 Signal und Rauschen vorgefiltertDie Filterfunktion des zu optimierenden Digitalfilters D nennen wir a. Die Vorfilterung werde durch die Filterfunktion a' beschrieben:
Die Optimierung wollen wir wie in 3.1.2
wieder so vornehmen, dass das Quadrat der Rauschverstärkung ϕ(a) ≔ ||a ∗ a'||²/||a'||² - λ(<a,f ∗ Sa'> - <d,f>) → ϕ'(a) = 2||a'||-2 a ∗ a' ∗ Sa' - λf ∗ Sa' = o → a ∗ a' = ½λ||a'||² f Unter der Voraussetzung, dass die Filterfunktion
a'
bzgl. der Faltung invertierbar ist (Satz 2.7), ergibt
sich
Wenden wir das optimale Filter D
auf das vorgefilterte Signal
D'f an, erhalten wir
Die Vorfilterung D' wird damit also rückgängig gemacht und durch die optimale Filterung für weißes Rauschen "ersetzt". In der Praxis ist dieses Resultat vielleicht dann von Bedeutung, wenn die (nicht notwendigerweise symmetrische) Vorfilterung das Maximum einer gaußähnlichen Funktion f verschoben hat und diese Verschiebung rückgängig gemacht werden soll. Ansonsten wird der Aufwand für eine Inversfilterung D'-1 selten durch ein spürbar besseres Signal-Rausch-Verhältnis belohnt. Das gilt besonders dann, wenn man sich der vorgefilterten Situation durch Einstellung einer neuen optimalen Filterbreite (siehe 3.3.2) anpassen kann. 3.4.3 Rauschen farbig bzw vorgefiltertDer Fall, dass nur das Rauschen vorgefiltert bzw farbig ist, unterscheidet sich von dem vorhergehenden (3.4.2) durch den noch deformationsfrei vorhandenen Signalanteil. Ist Θs die absolutsummierbare Korrelationsfunktion des farbigen Rauschens s, lautet das Lagrangefunktional (vgl. 3.1.2) für ein gaußähnliches Signal f:ϕ(a) ≔ <a,Θs ∗ a> - λ(<a,f> - <d,f>) ϕ'(a) = 2a ∗ Θs - λf = o Ist die Korrelationsfunktion Θs
bzgl. der Faltung invertierbar (Satz 2.7), so gilt:
der Faltungsoperator, der die Korrelationsfunktion Θs als "Filterfunktion" hat, heißt vielfach "Korrelationsmatrix". Setzen wir Θs = d (d-1 = d), ist die Korrelationsmatrix eine (natürlich unendlichdimensionale) Einheitsmatrix I, und unsere optimale Filterfunktion entspricht der für weißes Rauschen. Um die Farbigkeit des Rauschens durch
eine "Vorfilterung" zu beschreiben, brauchen wir nur eine geeignete Funktion
a'
zu finden, für die gilt (vgl. 2.4.2):
3.4.4 Polynomfilter für farbiges RauschenWir wollen unsere Ausführungen über optimale Filter durch die Berechnung von Polynomfiltern für farbiges Rauschen vervollständigen. Da das praktische Interesse an solchen Filtern denkbar niedrig sein dürfte, beschränken wir uns auf die notwendigsten Erläuterungen.Zu minimieren ist die Rauschverstärkung
<a,Θs ∗ a> unter den Nebenbedingungen
Statt Θs ∗ a schreiben wir Ca, wobei C die Korrelationsmatrix ist (3.4.3). qm ∈ PNV sind zB Grampolynome. Sei Q die unendlichzeilige [Soll
a
finit sein, können C und Q endlichdimensional
gewählt werden.] und
ϕ(a) ≔ <a,Ca> - <a - d,Qλ> oder in vollständiger Vektor-Matrix-Schreibweise ϕ(a) = aTCa - aTQλ + dTQλ ϕ'(a) = 2Ca - Qλ = o (C = CT) Diese Vektorgleichung führt bei geschicktem Gebrauch der Nebenbedingungen (QTa = QTd) zur Lösung (Blum 1956 p 181) aTCa = dTQ(QTC-1Q)-1QTd wobei die Invertierbarkeit von C und QTC-1Q vorausgesetzt wird. Eine interessante Aussage findet sich
in (Blum 1959 p 58). Dort wird bewiesen, dass Polynomfilter
für weißes Rauschen D (3.2.2) und Polynomfilter
für farbiges Rauschen D' im Grenzfall
Für uns hat dieses Ergebnis jedoch kaum Bedeutung, weil wir bei gaußähnlichen Signalen die Filterbreite nicht beliebig steigern dürfen, soll das Signal-Rausch-Verhältnis nicht wieder vermindert werden (3.3.2). 4 Rekursivdarstellung digitaler Filter4.1 Einführung4.1.1 BeschreibungBei der "rekursiven" Digitalfilterung wird das gefilterte Signal Df an der Stelle k nicht nur ausschließlich aus Werten f[n],
Die Bedingung
4.1.2 StabilitätsproblemeEin charakteristisches Problem der rekursiven Filter ist die Möglichkeit instabilen Verhaltens. Die Verarbeitung bereits gefilterter Funktionswerte entspricht nämlich genau der "Rückkopplung" in elektrischen Schaltkreisen. Wir haben zwei grundsätzliche Arten von Instabilitäten zu unterscheiden. Da ist zunächst die Unbeschränktheit eines Filters (2.1.2). Die Rekursivdarstellung (Def. 4.1) verleitet vielfach zu Filterkonstruktionen, die aus einem beschränkten Signal ein unbeschränktes machen. Das vielleicht prominenteste Beispiel dafür istDie andere, für uns sehr viel wichtigere Möglichkeit zu Instabilitäten hat ihren Ursprung in Unzulänglichkeiten bei der praktischen Realisierung. Dazu gehören insbesondere Rundungsfehler und Übersteuerung im Rechner (Schüßler 1973 S 241, Ziessow 1973 S 123). 4.2 Rekursiventwicklung mittels Fouriertransformation4.2.1 TheorieIst die Aufgabe zu lösen, ein bekanntes Digitalfilter rekursiv darzustellen, oder umgekehrt aus einer Rekursivdarstellung eine Filterfunktion a für das zugehörige Digitalfilter D abzuleiten, erweist sich wiederum die diskrete Fouriertransformation (1.4.1) als sehr nützlich.Die Rekursivdarstellung eines Digitalfilters D mit der Filterfunktion a war nach Def. 4.1
→ ℱ a = ℱ a" ● ℱ a + ℱ a' → ℱ a ● (1 - ℱ a") = ℱ a'
Satz 4.1 ist sehr nützlich, wenn es darum geht, aus einer rekursiven Darstellung eine nichtrekursive zu berechnen. Im umgekehrten Fall ist man dagegen meist aufs Raten angewiesen, denn: (i) Es gibt zu jedem Digitalfilter mehrere Rekursivdarstellungen (d.h. verschiedene Koeffizientenfunktionen) (ii) Es gibt Digitalfilter, die bis auf den Trivialfall a" = d und a' = o keine Rekursivdarstellung besitzen (zB infinite symmetrische Digitalfilter) (ii) Es gibt Digitalfilter, deren Zahl
an Rechenoperationen durch rekursivdarstellung überhaupt nicht zu verringern
ist.
4.2.2 Beispiel: Digitales RC-FilterDas digitale RC-Filter hat die Filterfunktion (2.2.6):
mit dem Frequenzgang
Ein Vergleich mit (Satz
4.1)
zwingt uns regelrecht zu den Identifizierungen
Damit haben wir eine finite Rekursivdarstellung des (infiniten!) digitalen RC-Filters (Dα) gefunden. Dαf = αT-1d ∗ Dαf + (1 - α)d ∗ f → Dαf[k] = αDαf[k - 1] + (1 - α)f[k] Prüfen wir nun noch, ob diese Darstellung
stabil gegenüber Rundungsfehlern in einem Rechner ist. Dazu wählen wir
als Eingangssignal
f die Nullfunktion (f ≔ o) und
betrachten die Entwicklung eines einmaligen Fehlers
und das bedeutet Stabilität, weil auch
bei ständig auftretenden Fehlern ε der Gesamtfehler unter Das RC-Filter ist nicht symmetrisch und verschiebt deshalb das Maximum einer gaußähnlichen Funktion. Diese Verschiebung lässt sich zwar meist nicht geschlossen berechnen, jedoch können wir aus der Rekursivdarstellung ein manchmal sehr hilfreiches Ergebnis gewinnen: Für das Maximum (im Punkt k') der gefilterten
gaußähnlichen Funktion so erhalten wir
Daraus folgt nichts anderes, als dass
man die Verschiebung des Maximums aus dessen Reduktion berechnen kann und
umgekehrt. Die Genauigkeit dieser Berechnung hängt nur von Genauigkeit
der Beziehung Der qualitativen Veranschaulichung dieses
Sachverhalts dient die Abbildung 4.1. Sie zeigt
eine Gaußfunktion im Original und gefiltert mit verschiedenen RC-Zeitkonstanten.
4.3 Rekursivdarstellung von Polynomfiltern4.3.1 TheorieNur selten fällt einem die Rekursivdarstellung eines Digitalfilters so einfach zu, wie das beim digitalen RC-Filter der Fall ist (4.2.2). Manchmal, wie zB bei Polynomfiltern, führen andere Wege schneller zum Ziel. Um für unsere Polynomfilter D2M (3.2.4) eine Rekursivdarstellung zu finden, definieren wir zunächst den "einseitigen" Differenzenoperator Δ (nicht zu verwechseln mit Δ aus 2.2.6)
Dieser Operator ist eine finites Digitalfilter und kann auch durch
beschrieben werden. Die Rekursiventwicklung von Polynomfiltern
basiert auf der Tatsache, dass die (m + 1)te Differenz Δm+1
eines beliebigen Polynoms pm m-ten Grades identisch null
ist.
Ersetzen wir das Polynom pm durch ein finites, zB die Filterfunktion a2M ∈ PNV eines Polynomfilters D2M , so sind nur in der Nähe der Sprungstellen ±N Abweichungen von null zu erwarten, deren Zahl von M abhängt. Um das auszunutzen, lassen wir den Differenzenoperator Δ2M+1 auf ein Polynomfilter D2M wirken: (Blum 1957)
Auf welche Weise nun eine Rekursivdarstellung
zustande kommt, lässt sich am Besten an Hand des Beispiels
(ii) Ausführung der Differenzenbildung auf der linken Seite
(iii) Variablentransformation k → k - (2M + 1)
(iv) Auflösung der Gleichung nach D2Mf[k]
(v) Berechnung von Δ2M+1a2M (siehe 4.3.2) Der binomische Lehrsatz, angewandt auf
Δ2M+1=
(T - I)2M+1 vereinfacht uns die Berechnungen in
(ii) und (v).
Auf eine detaillierte Rechnung wollen
wir hier aus Gründen der Übersichtlichkeit verzichten.
Man vergleiche Satz 4.3 mit Definition 4.1:
Während der Rechenaufwand beim nichtrekursiven Polynomfilter von der Filterbreite N und dem Grad 2M diktiert wird, ist im rekursiven Fall nur noch eine Abhängigkeit von 2M gegeben. 4.3.2 BeispieleZur nachträglichen Veranschaulichung der Prozedur in 4.3.1 führen wir die Rechnung hier einmal für das Mittelwertfilter (Polynomfilter nullten Grades D0 mit der Filterfunktion a0) durch.
Mit
erhalten wir
Die Rekursivdarstellung des Mittelwertfilters ist damit
Die Stabilität gegenüber Rundungsfehlern prüfen wir wie in 4.2.2 (f ≔ o, D0f[k-1] = ε) D0f[k+1] = ε : D0f[k+n] = ε Für höhere Polynomfilter berechnet man
die Rekursivdarstellung mit Hilfe von Satz 4.3 und
erhält
Betrüblicherweise zeigt sich, dass auch die Rekursivdarstellung des Polynomfilters zweiten Grades nicht gegen Rundungsfehler im Rechner stabil ist. Um dies zu verdeutlichen, setzen wir wieder f ≔ o. Die Rekursionsformel verkürzt sich dann auf D2f[k] = 3D2f[k-1] - 3D2f[k-2] + D2f[k-3] Der Rundungsfehler ε trete nur bei D2f[k-3]
auf, d.h.
Trotzdem lassen sich rekursive Polynomfilter
realisieren. Schaut man sich die Koeffizienten a'[k] und a"[k] etwas näher
an, stellt man nämlich fest, dass es bis auf einen gemeinsamen Nenner
ganze Zahlen sind. Multipliziert man die Rekursivdarstellung mit diesem
Nenner und ersetzt
5 Praktisch-numerische Ergebnisse5.1 ErläuterungenIn diesem Teil der Arbeit geht es darum, dem Leser an Hand von Diagrammen und einer ENDOR-Messung ein Gefühl für die Wirkungsweise und die wesentlichen Eigenschaften digitaler Glättungsfilter zu vermitteln. In einem Vergleich werden Digitalfilter mit gaußähnlicher Filterfunktion (insbesondere Polynomfilter) und RC-Filter unter verschiedenen Gesichtspunkten einander gegenübergestellt - in der Hoffnung, dass sich auf diese Weise vielleicht die "beste" Digitalfilterart zu erkennen gibt.5.2 Signal-RauschverhältnisDie größte Aussagekraft über die "Güte" eines Digitalfilters dürfte das Signal-Rausch-Verhältnis bzw die Effizienz (3.3.1) haben. Um vergleichbare Darstellungen zu erhalten, ist in Folgenden die Effizienz als Funktion der Rauschverstärkung abgebildet. Dabei erscheint die Filterbreite als indirekte Variable.Das Testsignal ist in fast allen Fällen
eine Gaußfunktion
mit der Breite Damit die Abbildungen einfacher zu vergleichen
sind, ist fast jedesmal die "Nullfehlerhyperbel" mit eingezeichnet. Die
Nullfehlerhyperbel ist die Ideallinie, die einer Rauschunterdrückung ohne
Deformation des Maximums entspricht:
Um symmetrische Digitalfilter mit dem
RC-Filter zu vergleichen, ist die Effizienz kein geeignetes Maß, da diese
nur bei symmetrischen Digitalfiltern direkt mit dem Signal-Rausch-Verhältnis
verknüpft ist (3.3.1). Dieser Umstand kann jedoch
leicht behoben werden, indem man in χ(a,f10)
das Skalarprodukt <a,f10> durch die Maximumhöhe
des RC-gefilterten Gaußsignals ersetzt, was sich numerisch sehr leicht
mit Hilfe eines Rechners meistern lässt. Das Ergebnis zeigt Abb. 5.9.
Ein aufmerksamer Vergleich der Abbildungen
5.2
bis
5.5
fördert zu Tage, dass sich
(ii) der abfallende Teil der Effizienzkurve mit höherem Polynomgrad immer näher an die Nullfehlerhyperbel anschmiegt (iii) Polynomfilter mit zunehmendem Grad
immer weniger unterscheiden (bzgl. des Signal-Rausch-Verhältnisses)
Ein Effizienzmaximum von fast eins erhält man bei zweimaliger Mittelwertfilterung (Abb. 5.8) oder bei Dreieckfilterung (Abb. 5.7). Die Dreieckfilterung kann zusätzlich sogar mit ungewöhnlich hohen Effizienzen und damit Signal-Rausch-Verhältnissen im Bereich schwacher Filterung aufwarten. Der Grund ist schnell gefunden: Das Dreieckfilter erhöht das Moment eines Signals (3.1.3), und deshalb besteht natürlich auch die Möglichkeit, dass das Maximum einer Gaußfunktion vergrößert wird, an Stelle der gewohnten Reduktion. Schlecht sieht es ums RC-Filter aus (Abb. 5.9). Auffällig ist nicht nur, dass es der Nullfehlerhyperbel am wenigsten treu bleibt, es hat auch das kleinste Effizienzmaximum von allen betrachteten Filtern. Als Ergebnis des ersten Vergleichs kann
also festgehalten werden:
5.3 SignaldeformationIn Abschnitt 5.2 ist bereits angeklungen, in welcher Weise einige Digitalfilter das Maximum des Testsignals
verändern. Diese und weitere Betrachtungen
sollen hier vertieft werden. Abb. 5.12 zeigt
zu diesem Zweck die Maximumhöhe des gefilterten Testsignals in Abhängigkeit
von der Rauschverstärkung, die durch die Filterbreite variiert wird.
Wie schon in 5.2, so
stellt sich auch hier heraus, dass im Bereich schwacher Glättung bzw großer
Rauschverstärkung Polynomfilter 2-ten Grades bei gleicher Rauschverstärkung
einen kleineren Fehler produzieren als das Mittelwertfilter oder gar das
RC-Filter. Polynomfilter höheren Grades bringen zwar noch weitere Verbesserungen,
diese sind aber kaum noch spürbar. Um die Unterschiede dennoch zu verdeutlichen,
ist in Abb. 5.13 der Nullpunktfehler
Die Abbildungen 5.14 bis 5.17 illustrieren die Folgerungen aus Abb. 5.12 und 5.13: Ein Gaußsignal wurde f100 wurde jeweils durch Polynomfilter verschiedenen Grades bei ungefähr gleicher Rauschverstärkung ||a2M|| ≈ 1/10 "bearbeitet". Man erkennt, dass bei schwacher Glättung
nicht nur der Nullpunktfehler mit steigendem Polynomgrad abnimmt, sondern
auch die Auflösungsverschlechterung (d.h. Verbreiterung). Dieser Trend
bestätigt sich nicht mehr, wenn mann zur Filterung mit optimaler Filterbreite
(3.3.2) übergeht. Die Abbildungen 5.18
bis 5.21 zeigen ein Gaußsignal
f10,
das bei verschiedenen Polynomfiltergraden 2M mit jeweils optimaler Filterbreite
In Abb. 5.23 bis 5.26 sind die (punktweise berechneten aber kontinuierlichen!) Frequenzgänge der Polynomfilter mit jeweils optimaler Filterbreite N zu sehen. Ihre Form legt wiederum den Schluss nahe, dass ein Polynomfilter (bei optimaler Filterbreite für ein festes Signal) mit zunehmendem Grad gegen einen Tiefpass (2.2.6) konvergiert. Die optimale Breite des Tiefpasses für ein Gaußsignal f10 lässt sich zB aus Abb. 5.6 ablesen. Abb. 5.27 zeigt den Frequenzgang des Tiefpasses mit optimaler Breite. Zur praktischen Veranschaulichung des Sachverhalts aus Satz 3.6 Teil (v) sind in Abb. 5.28 noch einmal die Filterfunktionen aller bisher behandelten symmetrischen Digitalfilter mit optimaler Filterbreite für ein Gaußsignal f10 dargestellt) vgl. Abb. 5.2 bis Abb. 5.6). Der Quotient aus optimaler Filterbreite und zugehöriger Signalbreite ist fast konstant: Für die Polynomfilter 0-ten, 2-ten und 4-ten Grades erhält man nacheinander (N/α)opt ≈ 0.99, 1.91, 2.87
5.4 Beispiel: Eine ENDOR-MessungAls praktisches Beispiel für die Glättung eines spektroskopischen Signals diente die ENDOR-Messung von F-Zentren in BaClF im Bereich 3.1 MHz bis 6.0 MHz bei 0.5 kHz Samplingabstand und schwachem Magnetfeld. Die Messapparatur ist von ihrem Aufbau her hier kaum von Bedeutung, sie sei deshalb als "schwarzer Kasten" angesehen.Die Untersuchung einer Rauschmessung (Abb. 5.32) brachte als Ergebnis, dass das Rauschen hinreichend weiß ist (vgl. 3.3.3). Zur Berechnung der Korrelationsfunktion (Abb. 5.31) wurden jeweils 126 der ca. 6000 Messpunkte zyklisch verarbeitet und dann die daraus erhaltenen Einzelkorrelationsfunktionen gemittelt. Da der Mittelwert des Rauschens nicht stationär ist (siehe Abb. 5.32) erzielt man auf diese Weise ein vielleicht repräsentativeres Ergebnis (Abb. 5.31). Die Abbildungen 5.33
bis 5.36 zeigen schließlich das ENDOR-Spektrum
im Original und gefiltert mit einem Polynomfilter 2-ten Grades bei
6 Anhang6.1 GrampolynomeDie modifizierten Grampolynome bn ∈ PNV lassen sich mit Hilfe der Rekursionsformel für orthogonale Polynome (Tricomi 1970 S 126)
definieren, wobei b0
≔ wN und b1 ≔ PNu
gesetzt wird. Die rekursionsformel ist identisch mit der für Legendre-Polynome,
nur ist die Norm bei den Legendrepolynomen nicht als Summe, sondern als
Integral -1∫+1 definiert. Alle Beweise für grampolynome
verlaufen in ähnlicher Weise wie bei den Legendrepolynomen. Man findet
die asymptotische Beziehung
Die Norm der Grampolynome ist durch
gegeben, wodurch sich obige Rekursionsformel
zu
vereinfacht. Die Grampolynome sind orthogonal:
Ihr Wert an der Stelle null lässt sich
mit Hilfe der Rekursionsformel bestimmen:
Man erhält
für n ≥ 1 bzw n ≥ 0, wenn das Produkt ∏ von 1 bis 0 gleich eins gesetzt wird. Zum Beweis der wichtigen Beziehung
wobei c2M+1 das um eine
Potenz erniedrigte Grampolynom ist ( µ(c2M+1) ist gegeben
durch
Für M = 0 ist unsere Behauptung (*) richtig:
Nehmen wir jetzt an, sie sei für ein
beliebiges festes M richtig, so ist zu klären, ob sie auch für M+1 gilt
Einsetzen von µ(c2M+1),
µ(c2M+3), ||b2M+2||² und <d,b2M+2>
sowie Benutzung der Rekursionsformel unter Berücksichtigung von Mittels vollständiger Induktion lassen
sich auch alle anderen Formeln, die hier im Zusammenhang mit Grampolynomen
angegeben sind, beweisen, insbesondere:
Die folgende Zusammenstellung stützt sich ausschließlich auf eigene Berechnungen, da die Grampolynome in der Literatur nicht sehr ausgiebig behandelt werden (siehe Literaturverzeichnis). b0[k] = wN[k]
c1[k] = wN[k]
[Nachtrag: Grampolynome sind ein Spezialfall der bekannteren Hahnpolynome] 6.2 BeweisskizzenDie meisten Beweise sind auf einfache Weise durch Variablentransformation in unendlichen Summen herbeizuführen. Es werden deshalb nur die wichtigsten Abweichungen angedeutet.Sätze1.1 Fuchssteiner 1974 S 49, Laugwitz 1967 S 1711.4 Brillinger 1975, Koopmans 1974 2.1 Satz 1.2 2.6 f ∈ PNV Λ g ∈ PKV → f ∗ g ∈ PN+KV (N, K ∈ ℕ0) 2.7 Laugwitz 1967 S 25 2.8
2.11 (ii)
Variablentransformation und Anwendung des binomischen Lehrsatzes
3.1 Cartan
1974 S 133, zu zeigen ist noch
ϕ'(a) = 2a - λSf
3.6
(i) Hilfssatz 1.7 (iii) (Schwarz-Ungleichung)
Hilfssätze1.3 Laugwitz 1967 S 1841.4 Laugwitz 1967 S 184 1.7 (ii) Dunford-Schwartz p 529 ||f∗g|| ≤ ||f||1||g|| setze g ≔ d (iii) Fuchssteiner 1974 S 21 1.9 Blatter 1974 S 188 ||f●g||1 ≤ ||f|| ||g|| ≤ ||f||1||g||1 (ii) Dunford-Schwartz p 529 1.10 Laugwitz 1967 S 171 1.11 Fuchssteiner 1974 S 22 3.1
6.3 Symbolliste
Literaturverzeichnis
Theoretische Grundlagen digitaler SignalverarbeitungBendat/Piersol*Brillinger (Moderne Darstellung, umfangreiches Literaturverzeichnis) Jerri (Sampling-Theorem - Tutorium) Koopmans Schüßler *Schwartz/Shaw (Anschaulich) Mathematische Hilfsmittel*Blatter (Mengentheoretische Grundlagen)Cartan (Differentialrechnung in normierten Räumen, wird zur Bestimmung der optimalen Filterfunktionen benötigt) *Fuchssteiner (Funktionalanalysis, normierte Vektorräume) Hansen (unendliche Reihen (Lorentzfilter!)) Isaacson/Keller (Grampolynome) Jolley (unendliche Reihen) Ralston (Grampolynome) Tricomi (orthogonale Polynome) PolynomfilterBlum 1956 (nichtsymmetrische Polynomfilter)Blum 1959 (nichtsymmetrische Polynomfilter) *Clarke (symmetrische Polynomfilter) Savitzky/Golay (symmetrische Polynomfilter (numerisch)) Steinier/Termonia/Deltour (Korrektur zu Savitzky/Golay) Ziessow (symmetrische Polynomfilter) Die gesternten (*) Bücher und Artikel sind besonders empfehlenswert. Stichwortverzeichnisabsolutintegrierbarabsolutsummierbare Funktionen absolutsummierbare Signale Absorptionslinien antisymmetrische Digitalfilter antisymmetrische Funktionen Auflösungsverschlechterung beschränkte Funktionen
Differentiation, diskret
Effizienz 1 2ff 3
Faltung 1 2
gaußähnlich
Hilbertraum
Impulsantwort
Jensenungleichung Kausalität
Lagrangefunktional 1 2
Matrix
Norm 1 2
Operator
Parabel
quadratsummierbare Funktionen
Rauschen
Sampling 1 2
Taylorreihe
Varianz
Zentraler Grenzwertsatz 1 2
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